Selbstvertrauen aufbauen

Selbstvertrauen aufbauen – unterwegs auf unbekannten Wegen

Selbstvertrauen aufbauen

Zum Thema Selbstvertrauen aufbauen wollen uns viele Leute eine ganze Menge erz#hlen. Ich nehme aber an: Die wenigsten von ihnen haben wahrscheinlich echte Krisen selbst erlebt und hinter sich gelassen. In diesem Beitrag beschreibe ich, wie Du Selbstvertrauen aufbaust oder – falls das aktuell Dein Thema sein sollte – aus einer Selbstvertrauenskrise herausfindest. Und das auch dann, wenn alle äußeren Zeichen bis jetzt anders ausgesehen haben sollten.

Warum ist Selbstvertrauen so wichtig?

Denke an den Moment, in dem Du zum ersten Mal Fahrrad gefahren bist.

  • Hat ein Erwachsener damals Dein Fahrrad bis zu einem bestimmten Punkt geführt und dann losgelassen?
  • Oder hat jemand Deine Stützräder abgeschraubt … und Du hast es wie von Zauberhand alleine geschafft, warst endlich frei in Deinem Gleichgewicht?
  • Oder bist Du als Naturtalent in Sachen Balance einfach aufgestiegen und losgeradelt?

Damals war bei Dir offensichtlich Selbstvertrauen im Spiel. Ohne Selbstvertrauen würdest Du heute wohl immer noch zu Fuß gehen.

Warum haben viele kein Selbstvertrauen?

Vertrauen kommt durch Erfahrung, durch Lernen. Auch geringes oder kein Selbstvertrauen. Erfahrungen, die zu einem geringen Selbstvertrauen führen, müssen nicht unbedingt in der Kindheit liegen. Es ist längst wiederlegt, dass eine schwierige Kindheit automatisch in ein schwieriges Leben führt. Viele Erfahrungen machen wir als Heranwachsende und als Erwachsene. In der Regel bestätigen sich diese Erfahrungen immer wieder aufs Neue, weil sie sich scheinbar von alleine wiederholen. Dabei sind wir es, die wir dieselben Erfahrungen mehr oder weniger bewusst selbst erzeugen.

Sehen wir uns noch einmal die Geschichte mit den ersten freien Metern auf dem Fahrrad an.

  • Es ist sinnvoll, wenn wir beim Beispiel Radfahren bleiben, denn es liefert uns ein gutes Bild von der Grundhaltung.
  • Viele Menschen lassen sinnbildlich die Stützräder im Leben angeschraubt.
  • Sie vermeiden jedes Risiko oder meinen, sie könnten sich nur mit fremder Hilfe aufrecht halten.
  • Und so klammern sie sich an anderen fest, lassen nicht los.
  • Das Klammern ist übrigens oft ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Der eine Mensch klammert, der andere lässt sich halten. Die Person, die eine andere Person hält, erlebt dadurch ihrerseits eine Aufwertung, weil sie sich gebraucht fühlt. Das ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, bei dem auf die Dauer beide Seiten verlieren.

Es ist also Vorsicht geboten bei den Menschen, die einem sagen: Lass mal, ich mach das für dich, ich nehme dir das ab. So lange wir das zulassen, bleibt unser Selbstvertrauen gering.

Warum kein Selbstvertrauen?

Diese Frage lässt sich einfach beantworten: Weil die Erfahrung mit dem Vertrauen in einen selbst noch nicht oft genug gemacht wurde. Selbstvertrauen ist wie Mathematik oder Schlittschuhlaufen. Das Rechnen lernt man am besten durch das Rechnen. Auf dem Eis wird man nur durch Übung gut, nie mit dem Ansehen von Videos, in denen Weltmeisterschaftsläufe im Eiskunstlauf gezeigt werden. Der Aufbau von Selbstvertrauen hat weniger mit Verstehen zu tun als mit Wiederholung.

Mit anderen Worten: Je öfter Du Dich etwas traust, etwas riskierst (z. B. vor Leuten sprechen, einen Antrag stellen, um etwas bitten, eine Herausforderung meistern), desto stärker wird Dein Selbstvertrauen.

Das sollten wir nicht tun, wenn es um das Selbstvertrauen geht

Manche Menschen meinen, sie müssten alles sehr grundsätzlich angehen, ihr Leben regelrecht neu aufrollen und aufräumen, alles besprechen und sogar aus der Welt schaffen. Das ist ein Anspruch, der nicht mit dem Leben vereinbar ist. Das Leben ist ein nach vorne gerichtetes Dauerereignis. Und so sollten wir es auch betrachten, einordnen und jeden Tag aufs Neue schätzen.

Hier also ist meine Liste, mit der ich einige der wichtigsten Handlungen beschreibe, auf die wir besser verzichten sollten:

Wir sollten nicht alles auf die Kindheit schieben.

Viele Menschen suchen die Ursache für heutige Schwierigkeiten in vergangenen Zeiten. Das ist zwar verführerisch, weil es einen auf eine lange Zeitreise bringen, stark beschäftigen und von mancher aktuellen Herausforderung abhalten kann. Wirklich gewonnen ist damit aber wenig bis nichts. Denn was bringt es, wenn ein Mensch heute weiß, dass Onkel Otto ihn vor 32 Jahren ausgelacht und bloßgestellt hat? Es ist ausreichend zu wissen, dass in so gut wie jedem Menschen negative Muster und Grundüberzeugungen arbeiten, die jederzeit verändert werden können.

  • Alte Geschichten werden z. B. in oft jahrelangen Psychoanalysen ausgegraben. Glück bringt die Psychoanalyse nicht – allenfalls die nicht sehr überraschende Erkenntnis, dass die eigene Kindheit unerfreulich war, womöglich sogar scheußlich.
  • Aber das wirft uns zurück, kann uns melancholisch werden lassen und in alten Geschichten festhalten.
  • Zielführend ist es, uns immer wieder zwischendurch zu fragen und in sich hineinzuhören:
  • Wie bin ich gerade, jetzt in diesem Moment mit mir umgegangen?
  • War das, was ich da innerlich zu mir gesagt habe, wertschätzend und aufbauend?
  • Würde ich das auch zu einem Menschen sagen, an dem mir viel liegt? Oder hat es eher dazu beigetragen, mich an mir zweifeln und zögern zu lassen?

Den inneren Kritiker „besiegen“ wollen. Das führt in der Regel zu inneren Kämpfen

Manche Fachleute wollen einem allen Ernstes empfehlen, den inneren Kritiker zu besiegen. Was aber genau heißt das – und wie wirkt es?

Immer noch geistert die Geschichte von den Erwachsenen herum, die Erfahrungen unserer Kindheit würden unser heutiges Erleben definieren. Und wir müssten etwas in uns besiegen oder beseitigen. Das ist vom Ansatz her falsch, weil das Gehirn so nicht funktioniert.

Ja, es gibt ungünstige Klimabedingungen, in denen sich sehr junge, aber auch heranwachsende und sogar alte Menschen bewegen:

Kennst Du Menschen,

  • die sich herablassend äußern
  • die sich nicht an Verabredungen halten
  • die anderen einreden wollen, ihre Gefühle wären falsch
  • die kein gutes Haar an anderen lassen wollen
  • die andere zu unterdrücken versuchen
  • die ihren Kollegen, Partnern oder Kindern einzureden versuchen, sie wären unfähig und dumm …?

Vermutlich hast Du die eine oder andere Erfahrung in dieser Hinsicht schon gemacht. Die Welt ist voll von Zweiflern und Neidern, und das wird sich kaum ändern. Ändern aber kannst Du sofort Deinen Standpunkt gegenüber solchen Menschen und Deinen Standpunkt, von dem aus Du sagst: bis hierhin und nicht weiter.

Der innere Kritiker, der aus der Sicht mancher Psychologen und anderer Fachleute angeblich in unserer Kindheit in uns installiert wurde – von Eltern, Lehrern oder bösen Nachbarn – es gibt ihn nicht.

Jeder Mensch hat viele innere Persönlichkeitsanteile.

Der innere Anteil, der von vielen oft als innerer Kritiker oder Perfektionist abgewertet wird, deutet in Wahrheit auf eine Tugend hin. Das ist diese Tugend:

  • Immer wieder meldet sich unser Bestreben zu Wort, in dieser Welt etwas beizutragen, etwas zu gelten und für gut befunden zu werden.
  • Und immer wieder spornt uns diese innere Seite zu Leistungen an, nicht selten zu Höchstleistungen.
  • Manche Menschen verausgaben sich bis zum B­­­urnout, indem sie versuchen, sich selbst zu übertreffen. Einigen wir uns darauf, dass es die innere Stimme der Leistungsbereitschaft ziemlich übertreiben kann.

Niemand kann Selbstvertrauen aufbauen, so lange er oder sie das eigene Handeln und Sein ständig als ungenügend bewertet. Es handelt sich also um eine Bewusstmachung der heute, in diesem Moment laufenden inneren Sprachmuster. Du brauchst Dich daher nicht auf eine Couch zu legen und frei über Deine Kindheit zu assoziieren.

Geh Deinen Alltag pragmatisch an, alltagstauglich. Fange direkt damit an, Selbstvertrauen aufzubauen.

Was gibt Selbstvertrauen?

Handlungen führen zu Erfahrungen. Fehler führen zu Erkenntnissen. Und wenn wir nicht nach dem Motto handeln „Ich habe recht, auch wenn ich mich irre“ (ein hervorragendes Buch von Carol Tavris und Elliot Aronson), können wir unsere Fehler als Vorlagen für besseres Handeln verwenden.

Sobald wir unsere Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen, stärken wir unser Selbstvertrauen. Die als überschrift gestellte Frage, was Selbstvertrauen gibt, ist nicht optimal gestellt. Denn die Antwort würde ja heißen, dass etwas von außen Kommendes uns das Selbstvertrauen gewissermaßen vor die Haustüre liefert. Tatsächlich sieht es anders aus. Wie das Wort Selbstvertrauen schon vermuten lässt, hat etwas mit uns selbst zu tun.

  • Wenn ich mir zutraue, eine Aufgabe zu meistern, ist das schon der erste Schritt.
  • Wenn ich dann die ersten Meter gehe, auf Schwierigkeiten stoße und trotzdem weitergehe, am Ball bleibe, stärke ich mein Selbstvertrauen.

Jeder Satz, der mit Selbstvertrauen zu tun hat, sollte das Wort Ich beinhalten. Selbstvertrauen hat viel mit Selbstwertgefühl zu tun. Menschen, die ein ausgewogenes Selbstwertgefühl haben, gehen davon aus, dass auch andere ihnen etwas zutrauen. Und so verstärkt sich das Selbstvertrauen. Insgesamt aber lässt sich sagen: Selbstvertrauen kommt aus uns selbst heraus.

Welche Übungen stärken das Selbstvertrauen?

Sobald Du Dich überwindest und mehr von dem realisierst, was Dir bisher Angst gemacht hat, steigt Dein Selbstvertrauen.

Alles, was Du bisher aus Gründen der Schmerzvermeidung (auch eine Steuererklärung kann auf einer Ebene Schmerzen bereiten) aufgeschoben oder vermieden hattest, kannst Du ab jetzt als Übung nehmen, um Dein Selbstverstrauen zu stärken.

  • Rufe einen Kunden an, dem Du Dank schuldest. Bedanke Dich.
  • Melde Dich bei einer Person, die Du schon lange kontaktieren wolltest.
  • Frage eine wildfremde Person im Bus nach der Uhrzeit.
  • Bitte jemand um einen Gefallen, zum Beispiel um die Empfehlung eines Buches zu einem bestimmten Thema.

Ein einfacher Trick, um Selbstvertrauen aufzubauen

Tu so, als ob Du etwas kannst oder gut bzw. gerne machst. Auch wenn am Anfang das Gegenteil der Fall ist. Hier findest Du einen Artikel, in dem ich ausführlich darauf eingehe, warum die Als-Ob-Taktik so gut funktioniert.

Zusammenfassung: Selbstvertrauen aufbauen und stärken

Selbst-Vertrauen hat unmittelbar mit uns selbst zu tun. Niemand kann von außen „dafür sorgen“, dass wir selbstsicherer werden. Auch wenn jemand noch so oft sagt „Trau dich“ – es bleibt an uns, uns zu trauen und und etwas zuzutrauen. Das liest sich vielleicht wie selbstverständlich, ist es aber keineswegs für alle Menschen.

Je öfter Du die Erfahrung herbeiführst, dass Du etwas bewirkt oder bewegt hast, desto klarer wird Dein Sinn für Dich, für Deine gesunde Selbsteinschätzung und Dein Vertrauen in Dich und Deine Fähigkeiten.

Hier geht es zu Wikipedia / Selbstvertrauen

Übrigens: Mangelndes Selbstvertrauen kann dazu führen, dass Menschen sehr negativ wirken. Lies hier den ausführlichen Artikel mit Antworten auf die Frage „Warum sind viele Menschen so negativ?